Blutwäsche gegen Präeklampsie: Neue Pilotstudie gibt Hoffnung

Blutwäsche gegen Präeklampsie: Neue Pilotstudie gibt Hoffnung

Nature Medicine, April 2026 – Eine Pilotstudie testet erstmals eine gezielte Blutfilterung bei schwerer früher Präeklampsie – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Wenn die Plazenta zum Problem wird

Präeklampsie ist eine der gefährlichsten Komplikationen in der Schwangerschaft. Bei der frühen, schweren Form – vor der 34. Schwangerschaftswoche – drohen Mutter und Kind ernste Folgen: Schlaganfall, Organversagen, zu frühe Geburt. Bislang gibt es keine Behandlung, die das Problem an der Wurzel packt. Die einzige „Heilung“ ist die Entbindung – oft viel zu früh.

Ein Forschungsteam um Ravi Thadhani (Cedars-Sinai, Los Angeles) hat jetzt in Nature Medicine einen neuen Ansatz veröffentlicht: die gezielte Entfernung eines Botenstoffs namens sFlt-1 aus dem Blut – mit einer Art medizinischer Blutwäsche, der sogenannten Apherese.


Was ist sFlt-1 – und warum ist es so gefährlich?

sFlt-1 (soluble Fms-like Tyrosine Kinase 1) ist ein Protein, das von der Plazenta ausgeschüttet wird – und bei Präeklampsie in enormen Mengen. Es bindet im Blut an Wachstumsfaktoren, die die Blutgefäße gesund halten. Sind diese blockiert, werden die Gefäße instabil: Blutdruck steigt, Organe werden geschädigt, Schwellungen entstehen.

Je mehr sFlt-1, desto schwerer die Erkrankung – und je früher in der Schwangerschaft, desto länger kann der Körper diese Last nicht tragen.


Die Studie: Wie funktioniert die Blutwäsche?

16 Schwangere mit schwerer früher Präeklampsie (im Median in der 30. Schwangerschaftswoche) nahmen an der Pilotstudie teil.

Das Verfahren funktioniert ähnlich wie eine Dialyse: Das Blut der Patientin wird durch eine Filterkartusche geleitet, die mit Antikörpern gegen sFlt-1 bestückt ist. Der Botenstoff bleibt hängen – das gereinigte Blut fließt zurück. Die Studie lief in zwei Phasen:

  • 🔬 Phase A (7 Frauen): Einmalige Behandlung mit steigender Dosierung – um die Sicherheit zu testen.
  • 🔬 Phase B (9 Frauen): Bis zu zweimal wöchentlich behandelt – bis zur Entbindung oder bis zur 34. Woche.

Die Ergebnisse: Was hat die Behandlung gebracht?

  • 📉 sFlt-1 sank in der Mehrfachbehandlungsgruppe um durchschnittlich 16,7 % – jede einzelne Behandlung halbierte den Spiegel vorübergehend.
  • 🩺 Der Blutdruck ging leicht zurück.
  • Die Schwangerschaft wurde verlängert: Im Median um 10 Tage bei behandelten Frauen – gegenüber nur 4 Tagen bei vergleichbaren unbehandelten Patientinnen.
  • 🐒 Im Tiermodell (schwangere Paviane): Jede Behandlung halbierte den sFlt-1-Spiegel, 2 von 3 Tieren brachten gesunde Jungtiere zur Welt.

Wie sicher war die Behandlung?

Das ist oft die entscheidende Frage bei neuen Verfahren in der Schwangerschaft. Das Ergebnis ist ermutigend:

  • ✅ 3× vorübergehender Kalziummangel (Hypokalzämie) – gut behandelbar
  • ✅ 1× kleiner Bluterguss an der Einstichstelle
  • ✅ 1× falscher Wehenbeginn – keine echte Geburt ausgelöst

Keine schwerwiegenden Komplikationen. Kein Studienabbruch wegen Sicherheitsbedenken. Alle 16 Frauen tolerierten das Verfahren gut.


Was bedeutet das für dich?

Diese Studie ist ein Pilotergebnis – also ein erster, vorsichtiger Schritt. Es geht noch nicht darum, ob diese Behandlung wirklich hilft, sondern darum zu zeigen, dass sie sicher und machbar ist. Und das ist gelungen.

Für Frauen, die an früher schwerer Präeklampsie erkranken – also vor der 34. Woche –, gibt es bisher kaum Optionen. Jede zusätzliche Woche in der Schwangerschaft kann für das Baby einen riesigen Unterschied machen: weniger Intensivstation, weniger Atemprobleme, bessere Entwicklung.

Wenn größere Studien bestätigen, was diese Pilotstudie andeutet, könnte die sFlt-1-Apherese eines Tages eine echte Option für diese besonders schwer betroffenen Frauen werden. Bis dahin bleibt sie ein hoffnungsvoller Forschungsansatz – aber einer, der erstmals zeigt: Der Kreislauf der Plazentaschädigung lässt sich vielleicht gezielt unterbrechen.


Thadhani R, Hiemstra TF, Vatish M et al. „Targeted removal of soluble Fms-like tyrosine kinase 1 in very preterm preeclampsia: a pilot trial.“ Nature Medicine, April 2026. DOI: 10.1038/s41591-026-04333-6

Written by
PD Dr. Dr. Kilian Vomstein
PD Dr. Dr. Kilian Vomstein

Mein beruflicher Schwerpunkt ist der Umgang mit unerfülltem Kinderwunsch und wiederholten Fehlgeburten, in dem ich umfassende klinische und wissenschaftliche Erfahrungen gesammelt habe. Ich strebe danach, für jedes Paar individuelle Lösungen zu finden.